Sie sind auf der neuen Blog-Seite zum Thema chancengerechte Erziehung für Mädchen und Jungen! Neben unserer Homepage www.primamaedchen-klassejungs.de haben wir jetzt eine neue Online-Community installiert, die Ihnen die Möglichkeit an die Hand gibt, schnell und unkompliziert miteinander in den Dialog treten zu können. Wir freuen uns über Ihre Kommentare!
18:06

Prof. Dr. Heidrun Stoeger Chair for School Education School Research, School Development, and Evaluation Universitätsstr. 31 93053 Regensburg Germany
Da sich die Forschung bislang vor allem auf die Erklärung von Geschlechtsunterschieden zu Ungunsten der Mädchen (z.B. im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich) konzentriert hat, liegen bislang wenige Kenntnisse über die Gründe für die genannten Geschlechtsunterschiede zu Ungunsten der Jungen vor. Verschiedene Studien legen jedoch nahe, dass (durch unterschiedliche Sozialisationseinflüsse bedingte) Feinmotorikdefizite einen Erklärungsbeitrag zu suboptimalen Lern- und Leistungsverhalten leisten – und damit möglicherweise auch für die Geschlechtsunterschiede zum Nachteil der Jungen. Aufgrund der unterschiedlichen Sozialisation von Jungen und Mädchen ist anzunehmen, dass Jungen mehr Feinmotorikdefizite aufweisen als Mädchen. Studien aus dem Bereich der Entwicklungspsychologie liefern hierfür erste Hinweise. Was allerdings zu klären bleibt ist, ob Feinmotorikdefizite auf Seiten der Jungen tatsächlich zu deren Benachteiligung im Bildungswesen beitragen. Hierzu sind Längsschnittstudien unverzichtbar, die zur Entwicklung von Förderkonzepten – sowohl für Jungen als auch für Mädchen- beitragen sollten.
16:59
Auf der Homepage http://www.neue-wege-fuer-jungs.de erhalten Sie Informationen über Fachtagungen, neueste Literatur, verschiedenste Aktivitäten und Interessantes zur Gender-Thematik für den schulischen und außerschulischen Bereich.
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14:45

Der Literatur- und Sozialwissenschaftler Dr. Andreas Gößling, Autor von Romanen, Jugendbüchern und kulturgeschichtlichen Sachbüchern, hat mit seinem Debattenbuch "Die Männlichkeitslücke – Warum wir uns um die Jungs kümmern müssen" bundesweit für Aufsehen gesorgt
„Jungen sind die Bildungsverlierer von heute“ – kein Wunder bei einem Erziehungs- und Bildungssystem, in dem Junge- und Mannsein bloß noch als negative Kontraste zu pädagogisch erwünschten Selbstbildern, Fertigkeiten, Verhaltensweisen vorkommen. Von der Kita bis zum Abi lernen Kinder und Jugendliche hierzulande, sich gruppendienlich und empathisch zu verhalten, vernünftig und kompromissbereit; kurz gesagt: einzig solche Stärken an den Tag zu legen, die traditionell als „weiblich“ gelten. Nichts gegen Empathie und Fürsorglichkeit, beileibe nicht, aber mit derart einseitiger Förderung und Formung leisten unsere Erzieherinnen und Lehrerinnen (fast durchweg sind es mittlerweile Frauen) nicht nur ihren männlichen Schützlingen, sondern ebenso den Mädchen und letztlich unserer Gesamtgesellschaft einen Bärinnendienst.
Wer in Kindergarten oder Schule durch Rauflust oder Wagemut auffällt oder gar, man wagt es kaum zu erwähnen, abseits der Team-Trampelpfade einzelgängerisch seinen eigenen Weg sucht – der (fast immer ist es ein Er) wird gemaßregelt, mit Punktabzug und Sympathieverlust bestraft und immer häufiger wegen vermeintlicher Verhaltensauffälligkeiten therapiert. Unsere Gesellschaft ist drauf und dran, die Gesamtheit der typischerweise „männlichen“ Stärken und Eigenarten zu therapiebedürftigen Abweichungen zu erklären. Handwerkliches Geschick oder Technikbegeisterung? Drang zu spielerischem Kräftemessen? Keine dieser herkömmlich maskulinen Leidenschaften findet in unseren Erziehungs- und Bildungseinrichtungen angemessenen Raum – geschweige denn Anerkennung oder gar Förderung. Unsere Kitas und Schulen sind „weibliche Soziotope“ – nicht vorwiegend deshalb, weil ihnen das männliche Personal abhanden gekommen ist, sondern weil dort krass einseitig nur klassisch weibliche Tugenden gefördert werden; herkömmlich männliche Verhaltensweisen dagegen werden unterdrückt, bestraft, gar pathologisiert. (weiterlesen…)
08:05

Peter Karl, Jungen- und Männerberatung, www.peter-karl.de
„Was brauchen Jungen, damit wir sie in Familie, Kindergarten und Schule gut fördern?“ – diese Frage begleitet mich seit über 10 Jahren in meiner praktischen Arbeit mit Jungen, Familien und pädagogischen Fachkräften.
In den vielen Jahren der Seminare mit Fachkräften haben mir gerade berufserfahrene ErzieherInnen immer wieder vermittelt: „Jungen und Mädchen sind unterschiedlich!“ Worin begründet sich die Unterschiedlichkeit und wie können wir gerade Jungen in ihrer Art fördern? war eine zentrale Frage.
Es ist wichtig zu betonen, dass es den „typischen Jungen“ nicht gibt und wir heute eine Vielfalt von Verhaltensmöglichkeiten erleben. Trotzdem immer wieder die Frage: Wie lässt sich die Motorik der Jungen, ihr Bedürfnis nach Wettkampf und Konkurrenz, ihr Interesse an Technik und „wie funktioniert die Welt?“ erklären. (weiterlesen…)
09:58
Den Jungs, so die Diagnose vieler Bildungsforscher, fehle es zu Beginn der Schulkarriere an männlichen Vorbildern. “Diese Annahme wurde ungeprüft hingenommen, sie passte ins Schema der Pädagogen”, sagt Marcel Helbig vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Er hat nun mit seinen Kollegen Andreas Landmann und Martin Neugebauer von der Universität Mannheim Daten der internationalen IGLU-Studie und der ELEMENT-Studie neu ausgewertet. Ergebnis: Das Geschlecht der Lehrer hat gar keinen Einfluss auf die Noten bei Jungen – und Mädchen. Nun wird weitergeforscht, was die Jungs abhängt. Vielleicht sind sie ja einfach nicht so ehrgeizig?
16:32

Peter Nothaft, Vater von drei Mädchen und zwei Jungen
Nein, kein Ernährungsmangel oder sozialer Notstand, sondern meist spaßhafte Frage des kochenden Elternteils im Blick auf den mittäglichen oder abendlichen Hunger der Heranwachsenden. Noch dazu in einer großen Familie wie der unseren. Drei Mädchen und zwei Jungs wachsen miteinander auf, die Älteste und die Jüngste mit 10 Jahren Altersunterschied. Kein Idyll, weil die fünf sich zoffen und streiten können, was das Zeug – einschließlich der Türrahmen und der Ohren der Eltern – hält und sich aber gleichzeitig zu Seite stehen, wo es am wenigsten erwartet würde. (weiterlesen…)
08:00

Prof. Dr. Barbara Staudigl ist Schulleiterin an der Maria-Ward-Realschule der Diözese Eichstätt und hat selbst zwei schulpflichtige Kinder: ein Mädchen und einen Jungen. Sie hat etliche Jahre als Pädagogik-Professorin an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt gearbeitet.
Vielleicht kennen Sie den Bestseller von John Gray aus den USA: „Männer sind anders. Frauen auch.“? Der Titel ist plakativ und provokativ – und das soll er wohl auch sein, lädt er doch geradezu ein, weiterzufragen: anders als wer? Andersheit ist ein relationaler Begriff, verlangt eine Bezugsgröße.
Ein Junge ist anders als ein Mädchen, anders als ein anderer Junge; ein Mädchen ist anders als ein Junge, aber auch als ein anderes Mädchen. Wenn man die Andersheit zum zentralen Aspekt macht, dann ist die Geschlechterdifferenz nur ein Aspekt, an dem das Anderssein deutlich wird. Dieses Anderssein ist geprägt durch Persönlichkeitsmerkmale, geerbte oder durch Erfahrung erworbene Eigenheiten, es gehören Lernzugänge und Strategien der Problemlösung, Umgang mit Erfolgen und Frustrationen, positive oder negative Bildungserlebnisse, Beheimatung in einem bestimmten sozialen Milieus u.v.m. dazu
Was mir wichtig erscheint, ist eine Individualisierung und Differenzierung der Lern- und Prüfungsformen, die jedem Einzelnen gerecht wird, ob er oder sie nun Mädchen oder Junge ist. (weiterlesen…)
12:49
Ein Beitrag von Verena Schroll, Lehrkraft am St. Anna-Gymnasium München
In der Diskussion um das Schulversagen der Jungen befürchte ich, dass die immer noch vorhandenen Probleme der Mädchen übersehen werden. Unter den Abiturientinnen sind zwar 52% weiblich, aber die Mädchen sind im Fach Physik, der Grundlage aller ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge, immer noch deutlich unterrepräsentiert. Im Leistungskurs Physik sind bayernweit 11% der Teilnehmer/innen weiblich. In der Folge haben viele Mädchen keinen Mut ein Ingenieursstudium aufzunehmen. Damit bleibt einem großen Teil der jungen Frauen ein Berufsfeld, das sichere Arbeitsplätze, gutes Einkommen und Karriere verspricht, verschlossen. (weiterlesen…)
08:00

Dipl.-Päd. Helga Schubert, Forschungsverbund Migration und Wissen, LMU München
Neuerdings hört man immer öfter, dass über geschlechtergetrennte Bildungseinrichtungen nachgedacht wird, dass die PISA-Ergebnisse vor allem dem schlechten Abschneiden von Jungs geschuldet seien und dass dahinter vor allem die „Femininisierung des Bildungswesen“ stehe. Als alleinerziehende, ganztags berufstätige Mutter von zwei Söhnen liegt mir beides stark am Herzen: die gesellschaftliche Unterstützung weiblicher Lebensräume (auch) außerhalb von Familie und die Freiräume für männliche Kraftreserven, denen wir doch soviel verdanken. Ein unauflösbarer Widerspruch? Ich denke nein. Jedenfalls nur solange, solange wir im Entweder-Oder verhaftet bleiben. (weiterlesen…)
08:00

Prof. Dr. Klaudia Schultheis, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Überblickt man die Literatur über Jungen, so kann man drei Hauptdiskurse unterscheiden. Im ersten Diskurs geht es um die Probleme der Jungen in der Schule. Wenn man so will den „Die Schule versagt“ ‐ Diskurs.
Im zweiten Diskurs geht es um die Frage, wie Jungen eigentlich sind, wie sie sich entwickeln und wie sie sich von den Mädchen unterscheiden. Diesen Diskurs nenne ich den „Wie Jungen sind“ ‐ Diskurs.
Den dritten Diskurs kann man als den „Arme Jungen“ ‐ oder „Kleine Helden in Not“ ‐ Diskurs bezeichnen. Es geht hier um Sozialisations‐ und Identitätsprobleme der Jungen.
Wir alle wissen aus der Erfahrung, dass Jungen im Gegensatz zu Mädchen gern kämpfen oder raufen, dass sie Wettbewerbe mögen oder gern dominantes Verhalten zeigen. Jungen geben nicht so gern Begründungen für das, was sie tun. Sie bevorzugen Befehle und Instruktionen in ihren Gesprächen. In der Schule sind ihnen die Gleichaltrigen wichtiger, während sich Mädchen stärker an den Erwachsenen orientieren. (weiterlesen…)